>Verena in Ecuador
Von Anfang an als feststand, dass ich meinen Schüleraustausch in Ecuador verbringen würde, wurde ich mit vielen verschiedenen Reaktionen konfrontiert - die meisten eher im negativen Sinne. Vor allem meine Freunde meinten: "Ecuador?! Was willst’n da?!?" Andere meinten nur: "Wow, wie mutig von dir…" Im Prinzip versteh ich das, denn wenn man’s genau nimmt, wer hat schon ‘ne Ahnung davon, wie’s hier in Wirklichkeit aussieht? Ich selbst nach diesem Austauschjahr kann nur sagen, dass Ecuador ein wahnsinnig tolles Land ist und dass ich jeder Zeit dieses Jahr widerholen würde! Ich hab’ hier so viel gelernt und so viele neue Erfahrungen gesammelt! Ich hab’ die Menschen kennengelernt - "Latinos" ebenso wie die eingeborenen Indígenas, bin viel gereist und hab’ so auch gesehen, wie unterschiedlich die Lebensweisen in den verschiedenen Regionen des Landes sind. Die Menschen hier in generell sind alle super freundlich und offen, absolut kein Vergleich zu Europäern und besondes uns Deutschen! Man geht nur raus auf die Strasse und - wenn man nicht gerade ganz abgeneigt ist - lernt man gleich wieder neue Freunde kennen. Und es ist leicht, neue Feundschaften zu schliessen, weil hier alle auf dich zukommen und dir Fragen stellen, z.B. wie du heisst, wo du her kommst, auf welche Schule du gehst, wie’s dir hier gefällt usw., sie wollen sich eben mit dir anfreunden… Jetzt, wo mein Austauschjahr zu Ende geht, sehe ich wie viele Freunde ich hier im Laufe des Jahres gefunden habe - und bin selbst ziemlich überrascht! Das macht es mir allerdings auch nicht gerade einfacher, wenn ich an meinen Abschied in 6 Wochen denken muss… aber was sein muss, muss ja bekanntlich sein, nicht wahr?
Auf meinen Reisen hab’ ich nicht nur die Menschen hier kennengelernt, sondern vor allem auch die Natur hier; und die ist einfach unbeschreiblich! Hier gibt’s von allem
etwas: die Küste mit herrlichen Stränden, die Anden, den Amazonischen Regenwald… und alles wahnsinnig nah beieinander, denn besonders gross ist Ecuador nun wirklich nicht! Und: hier gibt es die
Galapagos-Inseln - ein "Paradies"! Vor 1 Woche erst war ich dort und ich kann nur sagen, es ist einfach wahnsinnig! Pure Natur, und die Tiere zum Anfassen nah - auch wenn’s dennoch verboten ist, sie
zu berühren, aber verständlich ist’s, schliesslich sind das freilebende Tiere und keine Tiere aus’m Streichelzoo! Aber allein schon der Gedanke daran, dass man es könnte, in freier Natur! Echsen,
Seelöwen mit denen man schwimmen kann, Flamingos, Delfine, jede Menge Fische und Vögel in allen Farben… selbst die Haie sind da so ungefährlich, dass man ohne Angst schwimmen und vor allem
schnorcheln gehen kann!
Fuer mich ist Ecuador einfach ein wahnsinnig tolles Land, und ich bin mehr als nur froh, hierher gekommen zu sein - obwohl mir meine Freunde und Verwandten fast alle mit negativen Argumenten
angekommen sind! Ich will nicht behaupten, dass Ecuador das "beste" Land für einen Schüleraustausch ist, denn meiner Meinung nach kann es einem in jedem x-beliebigen Land super gut gehen - das hängt
ganz allein von einem selbst und seiner Einstellung zu den Dingen ab. Natürlich gehört auch immer etwas Glück dazu, aber in erster Linie liegt das doch an einem selbst. Man muss nur offen,
aufgeschlossen genug sein, und ich kann mit Überzeugung behaupten, dass es jedem, der einen Schüleraustausch mitmacht, genau so gut gehen wird, wie mir hier!
Und was die Sprache angeht: ich bin hier hergekommen mit wirklich Null Ahnung, ich wusste sozusagen gar nichts! Ich konnte weder Spanisch reden noch verstehen - in der ersten Zeit. Später hab’ ich dann mit der Zeit immer mehr und mehr dazugelernt, und nach 3 Monaten konnte ich schon richtig gut sprechen, und das ganz ohne Spanisch-Unterricht oder sowas in der Art. Jetzt, nach fast 10 Monaten, kann ich sagen, mein Spanisch ist fast perfekt. Nur ab und zu red’ ich mal wieder was Deutsch oder Englisch - wenn ich nochmal Bock dazu bekomme. Was mir wahnsinnig viel beim lernen geholfen hat, war die Schule - obwohl’s irgendwie etwas krass klingt. Aber dadurch dass ich in meiner Klasse die einzige Ausländerin war, musste ich einfach Spanisch lernen, um mich mit meinen Mitschülern unterhalten zu können - denn das Englisch-Niveau hier ist alles anderes als gut, man kann schon froh sein, wenn die überhaupt etwas verstehen, von Englisch reden will ich besser nicht sprechen! Am Anfang war’s also erstmal ziemlich schwer für mich, aber nur so hab’ ich so schnell Spanisch gelernt, und mittlerweile bin ich richtig stolz darauf, wie schnell und wie gut ich sprechen gelernt hab’!
Was mich selbst betrifft: mit der Zeit bin ich selbst ein bischen mehr "Latina" geworden - offener vom Charakter her und viel freier und reifer (wenn ich das von mir selbst behaupten darf!). Ich denke, das ist die grösste Veränderung an mir, als Konsequenz für mein Austauschjahr hier. Und ich bin recht froh darüber - natürlich, wer wär’s nicht? Vorher hatte ich ein wenig Angst davor, mich zu verändern während dem Austausch, obwohl es im Prinzip unvermeidbar ist; aber man weiss vorher ja nie, wie man sich verändern wird. Aber ich denke, dass jeder Austauschschüler wächst, geistig meine ich. Und ich rate jedem: wenn ihr die Chance bekommen solltet, so eine Erfahrung zu machen, dann lasst sie euch nicht entgehen! Begeht nicht den Fehler, ‘nen Rückzieher zu machen! Nehmt die Chance wahr, es lohnt sich absolut! Aber: überlegt euch genau, welches Land wohl das richtige für euch ist, so vonwegen was die Kultur und so angeht (sollte das Land ähnlich dem euren sein oder ganz anders oder "neutral"…). Das ist sehr wichtig! Klar würde es mich echt wahnsinnig doll freuen, wenn sich mehr und mehr Jugendliche für Ecuador interessieren würden, denn leider gibt es genug schlechte Meinungen über Ecuador, vor allem auch was das Politische angeht. Die Politische Lage hier ist nämlich zur Zeit leider nicht gerade die beste, das muss ich ganz offen zugeben. Aber dadurch dass das auf Geldprobleme zurückzuführen ist, haben wir Exchangees damit sozusagen gar nichts am Hut. Und mit "gefährlich" hat das auch nichts zu tun - und ich weiss, wovon ich rede, schliesslich lebe ich hier seit schon fast einem Jahr!

